Röm.-Kath. Kirchengemeinde Bad Säckingen – Murg

Röm.-Kath. Kirchengemeinde Bad Säckingen – Murg

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Zur Situation unserer Kirche

Stellungnahme des Pfarrgemeinderates der Seelsorgeeinheit Bad Säckingen-Murg zur Situation unserer Kirche

Einleitung

In der Gemeinschaft der Kirche wollen sich Millionen Gläubige geborgen und sicher fühlen. Sie finden Halt im Glauben, sie ziehen Kraft aus ihm, spüren, dass sie geliebt und aufgefangen werden, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind. Der Glaube verbindet und schafft Nähe, er kann trösten, Hoffnung geben und er kann einem bewusst machen, wofür es sich lohnt, aufzustehen. Denn Glauben heißt nicht, sich zu verstecken. Glauben heißt einzustehen für das, woran wir glauben.

Die momentane Situation in der Kirche lässt uns hier im PGR jedoch zwischen den Stühlen zurück. Auch wir spüren und erleben Frustration, Leere und Hilflosigkeit. Viele fühlen sich müde, alleingelassen und verunsichert. Die eigene Zugehörigkeit zur katholischen Kirche führt zu einem zunehmenden Rechtfertigungsdruck und wir spüren, wie wir immer öfter in Erklärungsnot geraten, die Kirche, unseren Glauben und uns selbst verteidigen müssen und uns die Antworten entweder quälen oder fehlen.
Mit dieser Situation gilt es immer wieder umzugehen.

Unserem Leitbild:

Mit Jesus in unserer Mitte wollen wir

  • Orte der Begegnung für alle schaffen
  • Offene lebendige Gemeinschaft sein
  • Begeisterung für unseren Glauben wecken und weitertragen

verpflichtet, haben wir uns im PGR mit unserer Situation in der Kirche auseinandergesetzt.

Was wir denken:

Vertrauen in die (Institution) Kirche als moralische Instanz / Missbrauch

  • Mit großer Sorge nehmen wir wahr, dass das Vertrauen in die Kirchenleitungen und damit auch in die ganze Kirche immer mehr verloren geht, sowohl bei allen, die sich zur Kirche dazugehörig fühlen als auch bei denen, die für die Kirche arbeiten.
    Folgen davon sind Unsicherheit und zunehmende Kirchenaustritte, auch bisher engagierter Kirchenmitglieder, das Gemeinschaftsleben vor Ort schwindet und die Überalterung der Gemeinden nimmt zu.
  • Kirche ist eine Gemeinschaft von Menschen, die an Gott, Mensch geworden in Jesus Christus glauben und diesen Glauben leben und weitergeben wollen. Zu dieser Gemeinschaft möchten wir gehören!
    Die Institution Kirche hat aus eigenem Verschulden ihre Glaubwürdigkeit, ihre gesellschaftlich anerkannte Reputation als moralische Instanz, ihre Funktion als Gemeinschaft (Organisation), die etwas zu sagen hat und in sozial-politischen Fragen gehört werden sollte, verloren. Warum fehlt dem Klerus der Wille, zumindest aber der Mut zur Umkehr, zum Neuanfang?
  • Jesus hat sich unermüdlich eingesetzt für Gerechtigkeit. Seit über 10 Jahren sehen wir uns mit unzähligen Missbrauchsfällen konfrontiert und stehen hilflos einer schleppenden Aufklärung und jahrzehntelanger Vertuschung gegenüber. Es gilt, endlich Verantwortung in Wort und Tat zu übernehmen. Deshalb fordern wir Gerechtigkeit und eine endgültige und lückenlose Aufklärung der Missbrauchsfälle und dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Es soll nicht über, sondern vor allem mit den Betroffenen offen kommuniziert werden

Strukturen und Formen verändern

  • Wir Menschen suchen nach Halt in einer ungewissen Welt. Jesus ruft uns auch heute auf, Gottes Botschaft an alle Menschen weiterzugeben:
    Damit Jesus unsere Mitte bleibt, wollen wir seine Botschaft über unsere menschgemachten Strukturen, Regeln und Vorstellungen erheben.
  • Weil jedem und jeder von uns der Glaube an Jesus Christus und die Zukunft unserer Kirche am Herzen liegen, wünschen wir uns von unserer Kirche die Bereitschaft und den Mut, die notwendigen Veränderungen anzugehen. Wir wünschen uns eine Kirche, die sich für alle öffnet, die Strukturen und hierarchische Machtverhältnisse verändert und die auch im gesellschaftlichen Kontext mutig Position bezieht. Dafür braucht es wegweisende Entscheidungen nach innen und außen.
  • Frei nach Berthold Brecht: Ein Mensch, der lange nicht in der Kirche war, begrüßte die Gemeinde mit den Worten: „Ihr habt euch gar nicht verändert.“ – „Oh!“ sagten sie und erbleichten.
    Es geht Gott nicht um die Einhaltung starrer Formen und religiöser Gesetze, sondern um gelingende, gute Beziehungen der Menschen zueinander und zu Gott.
    Wir alle glauben, Veränderung ist möglich!

Gleichberechtigung

  • Vor Gott sind wir alle gleich. Er hat uns Menschen als sein Ebenbild erschaffen. Er macht keine Unterschiede ob du dich als Frau oder Mann oder anders definierst, ob du als Hauptamtliche/r oder Laie, ob alt oder jung, laut oder leise seine Botschaft leben und weitergeben möchtest:
    Mit Jesus in unserer Mitte sind wir berufen, die Zukunft unserer Kirche aktiv mitzugestalten.
  • Während sich in vielen gesellschaftlichen Bereichen die Gleichberechtigung immer mehr durchsetzt, gibt es in der Kirche noch immer patriarchale Strukturen, die zu Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen führen. Jesus wendet sich allen Menschen zu, denn Gottes Liebe macht keine Unterschiede.
    Deshalb soll auch die Kirche zu einem Ort werden, an dem sich alle Menschen angenommen und akzeptiert fühlen und gleichberechtigt behandelt werden.

Aufbruch wagen und Synodaler Weg

  • Wir Menschen brauchen nicht Belehrungen und Bekenntnisse unserer Kirchenführung. Wir brauchen sichtbare Zeichen und Taten dafür, dass die Kirche bereit ist für einen Weg der Umkehr, Transparenz und Ehrlichkeit.
  • Liebe Bischöfe, vertraut Gott! Er liebt alle Menschen, wie er sie geschaffen hat. Er vertraut uns und er hat uns allen Geist und Freiheit gegeben. Der synodale Weg ist kein Versuch, die Kirche zu spalten, sondern zeigt, in Rückbesinnung auf die Bibel, Wege auf, unseren Glauben heute zu leben. Die Einheit der Kirche besteht doch nicht im Gleichschritt aller, eher in der Vielfältigkeit der Wege. Ihr seid berufen und beauftragt unsere Hirten zu sein. Dann habt den Mut, auch neue Wege zu gehen und Dinge umzusetzen, die ihr für eure Diözese als richtig erachtet. Wir unterstützen euch!

Bad Säckingen, im September 2022

Der Pfarrgemeinderat der Seelsorgeeinheit Bad Säckingen-Murg